Initiative für Vielfalt und Demokratie
in Altenstadt e.V.
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Vielfalt in Altenstadt

„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ (Talmud)
Erstmalige Verlegung von Stolpersteinen in der Gemeinde Altenstadt

Die ersten sieben Stolpersteine in der Gemeinde Altenstadt sind durch den Künstler Gunter Deming in Lindheim an den jeweiligen ehemaligen Wohnhäusern ermordeten jüdischen Bürger*innen verlegt worden. Auf den Messinggedenktafeln ist der Name des jüdischen Mitbürgers aufgeführt, welcher Opfer des Nationalsozialismus geworden ist. Es wird damit an das jeweilige individuelle Schicksal erinnert. Mittlerweile wurden über 90.000 Stolpersteine in ganz Europa durch den Künstler verlegt. Deming zitierte dabei den Talmund, einem der bedeutendsten Schriftwerke des Judentums, „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“

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Die Verlegung der sieben Stolpersteine ist durch die Initiative für Vielfalt und Demokratie in Altenstadt e.V. initiiert worden. Es wird angestrebt, dass in allen Ortsteilen, in denen jüdischen Familien gelebt haben nach und nach Stolpersteine verlegt werden. Dieses Projekt wird wesentlich unterstützt und mitgetragen durch die Altenstädter Gesellschaft für Geschichte und Kultur e.V. Hierfür fand die Initiative die breite Unterstützung aller demokratischen Parteien in der Gemeinde Altenstadt. Mit organisiert wurde die Verlegung durch den Verein Mitmischen – Demokratie leben! e.V., welcher zuvor schon in Büdingen eine entsprechende Stolperstein Verlegung initiiert hatte. Zusammen mit dem Bauhof der Gemeinde Altenstadt wurde die professionelle Verlegung der Stolpersteine umgesetzt.

Obwohl es der Wettergott nicht gut gemeint hat, begleiteten über 30 interessierte Bürger*innen die offizielle Übergabe der Stolpersteine in Lindheim, hierunter die Fraktionsvorsitzenden aller demokratischen Parteien in der Gemeindevertretung von Altenstadt, der Vorsitzender der Gemeindevertretung Christian Keim sowie der erste Beigeordnete Werner Zientz. In Vertretung der Ortsvorsteherin begrüßte zunächst Natascha Baumann die Bürger*innen. Anschließend führte Sven Müller-Winter, Vorsitzender der Initiative für Vielfalt und Demokratie e.V. in Altenstadt, aus, dass mit der „Verlegung die Erinnerung an die Menschen am Leben gehalten und an den Holocaust erinnert werden soll.“ Weiterhin gab er anschließend einen groben Überblick über das Jüdische Leben in Lindheim. So ist die jüdische Gemeinde in Lindheim eine der ältesten jüdischen Gemeinden in der Wetterau und die Ursprünge reichen bis in 14. Jahrhundert zurück. Anfang des 19. Jahrhunderts gehörten 80 Personen zur jüdischen Gemeinde von seinerzeit ca. 600 Bewohner*innen von Lindheim. Nach der Reichsprogrammnacht am 9. November 1938 verließen die letzten beiden Juden Lindheim. Der Nationalsozialismus hat binnen weniger Jahre eine 600-jährige Geschichte von jüdischem Leben in Lindheim ausgelöscht.

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Hans Erich Seum, Vorsitzender der Altenstädter Gesellschaft für Geschichte und Kultur e.V., berichtete nun über die einzelnen Menschen, deren Namen auf den Stolpersteinen aufgeführt waren. In der Düdelsheimer Str. 8 wurden vier Stolpersteine verlegt, die an das Ehepaar Josef Lindheimer I und seine Frau Clementina sowie seinen Bruder Markus und seine Schwägerin Bertha erinnern sollen. Die beiden Familien waren im Fruchthandel tätig und waren sehr angesehene Ortsbürger. Sie bezahlten u.a. die höchsten Steuersätze und waren im Vorstand der jüdischen Gemeinde seit 1920 aktiv; 1935 wurde ihnen jedoch die Bürgerschaft entzogen. Alle vier wurden im Jahr 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort anschließend ermordet. Die Kinder konnten noch in die USA flüchten und sind in New York und San Francisco gestorben. Einer der Söhne, Leopold, war Gründungsmitglied des Fußballvereines in Lindheim.

In der Altenstädter Straße 29 wurden drei Stolperstein verlegt, die an Joseph Lindheimer II und seine Frau Amalie sowie an seine Schwester Rosa Süsskind erinnern. Er war Metzgermeister und 1. Vorsitzender der jüdischen Gemeinde in Lindheim. Ihnen wurde ebenfalls bereits 1935 das Bürgerrecht entzogen. Joseph wurde 2 Tage vor seiner Schwester Rosa in Theresienstadt am 18.09.1942 ermordet, während seine Frau in Treblinka ermordet wurde. Die beiden Söhne konnten ebenfalls fliehen, und zwar nach Holland und in die USA. Alle Teilnehmer*innen zeigten sich tief bewegt, nach dem Vortrag von Hans Erich Seum über das teilweise sehr kurze Leben der jüdischen Mitbürger*innen. „Es ist ein ganz wichtiges Zeichen, welches wir mit dem heutigen Tag in Altenstadt setzen“, betonen Sven Müller-Winter und Hans Erich Seum gemeinsam. „Die benannten Menschen wurden nicht nur aus Altenstadt verbannt, sondern schier ausgelöscht. Wir vergessen sie nicht und sorgen mit dem Setzen der Stolpersteine dafür, dass ihre Namen lebendig und immer mit Altenstadt verbunden bleiben.“ Gemeinsam waren sich alle Anwesenden einig: wir werden alles dafür tun, dass Hass, Hetze, Diskriminierung und menschenverachtende Ideologien bei uns in Altenstadt keinen Platz haben!

Stolpersteine

stolperSteine02.jpg Mit den Stolpersteinen soll die Erinnerung an die Unterdrückung, Verfolgung, Vertreibung und Vernichtung von Juden, Sinti und Roma, politisch Verfolgten und anderen Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft lebendig gehalten werden. Die zehn mal zehn Zentimeter großen Gedenktafeln aus Messing tragen in der Regel eine Inschrift, die mit „Hier wohnte“ beginnt. Es folgen Namen und Lebensdaten. Seit 1993 schon werden die Stolpersteine von dem Künstler Gunter Demnig verlegt. Insgesamt wurden bisher rund 90.000 Stolpersteine in über 1.800 Orten in 26 Ländern Europas verlegt.
Näheres unter: www.stolpersteine.eu